Neues aus Hof:

Kerstin Dolde – Leseranwältin der Frankenpost

Die bekannte Journalistin über Beruf, Zeitung und ihre Heimat Hof

Frankenpost-Leseranwältin Kerstin Dolde im Gespräch. Frankenpost-Leseranwältin Kerstin Dolde im Gespräch. Foto: © Florian Miedl

Für die Menschen in der Region ist Kerstin Dolde die Frankenpost. Als Leseranwältin kümmert sie sich um die Probleme Hilfe suchender Menschen. Hinter den Kulissen ist Kerstin Dolde eine leidenschaftliche Journalistin, die stolz auf ihre Zeitung ist. Welche weltbekannten Personen sie interviewte? Warum sie nach 25 Jahren noch immer in Hof arbeitet? Weshalb Sie als Zeitungsfrau keine Angst vor Google hat und was ihr an Hof gefällt? Im Interview verrät sie es.

Wer sind Sie und was machen Sie beruflich?

Ist das etwa die Frage des Tages? *lach* Im Ernst: Mein Name ist Kerstin Dolde, ich arbeite als Redakteurin bei der Frankenpost in Hof. Dort bin ich hauptsächlich als Ansprechpartnerin für die Leser zuständig. Ich gehe auf Leserkritik ein – wenn sie sich auf journalistische Beiträge bezieht. Ich beantworte viele Fragen, die dann eben in der Rubrik „Frage des Tages“ unter der Überschrift „Die Sache mit…“ veröffentlicht werden.

Meine Aufgabe ist es, für die Leser die redaktionelle Arbeit etwas transparenter zu machen. Somit bin ich Vermittlerin und Mittlerin zwischen Lesern und der Redaktion. Ich habe dabei viel mit Presseethik und Presserecht zu tun – und stehe auch oft mit den Kolleginnen und Kollegen im Gespräch. Aber ich habe auch ein offenes Ohr, wenn bei einem Leser frühmorgens mal nicht die Zeitung im Kasten liegt.

Was taten Sie vor 10 Jahren beruflich?

Da war ich auch schon Redakteurin. Allerdings leitete ich damals noch die Redaktion der Lokalausgaben „Hofer Anzeiger“ und „Rehauer Tagblatt“.

Wie sieht Kerstin Doldes typischer Arbeitstag aus?

Einen typischen Arbeitstag, den gibt es nicht. Aber das macht es erst so richtig spannend. Doch zu meinen Aufgaben: Wenn ich in die Redaktion komme, erwarten mich schon die Postmappen. Ich sichte und bearbeite alle Leserbriefe, die eingehen. Das sind die Zuschriften für den Mantelteil, aber auch für alle neun Lokalausgaben der Frankenpost. Ich bin in der Morgen-Konferenz der Redaktion dabei; hier sprechen wir nicht nur die Themen des Tages ab, sondern halten auch Blattkritik. Und oft genug diskutieren wir über Anregungen, die die Leser geben. Viele Leser schreiben E-Mails an mich, die beantworte ich oder leite sie an die richtigen Stellen weiter. Und natürlich gibt es viele Anrufe.

Ich habe viele Leserkontakte, das gefällt mir gut. So moderiere ich auch Veranstaltungen für die Frankenpost. Dazu betreue ich unseren Leserbeirat, der sich ein paar Mal im Jahr trifft. Der ist uns ganz wichtig, denn er bringt einen wichtigen Blick „von draußen“ in die Redaktion. Ich habe eine wöchentliche Rubrik „Auf ein Wort“, wo meistens aktuelle Themen aus der Zeitungsarbeit beleuchtet werden. Natürlich schreibe ich auch im „normalen“ Zeitungsgeschäft – dann recherchiere ich Geschichten, interviewe Personen und und und.

25 Jahre Lokaljournalistin: Wollten Sie nie die große, weite Zeitungswelt erleben?

Wieso – die Frankenpost gehört doch zur großen, weiten Zeitungswelt! Sie ist ein wesentlicher Teil der Medienlandschaft. Wichtig ist mir nicht das Globetrotting um des Job-Hoppings willen, wichtig sind die Aufgaben und die Herausforderungen, denen man sich stellen darf. Die gibt es auch – ich würde sogar sagen: vor allem – bei einer Regionalen Tageszeitung. Wo sonst ist man so nah am Leser? Wo sonst hat man so viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren, sich interessante Themen zu suchen?

Wissen Sie, ich habe bereits als Volontärin Willy Brandt interviewt und kürzlich hatte ich Peter Scholl-Latour als Gesprächspartner. Ich blicke auf 25 Berufsjahre zurück, die niemals langweilig waren.

Gerade wir Oberfranken neigen dazu, zu denken, nur woanders ist es besser. Das ist schade, denn es ist falsch.

Natürlich geht die Welt hinter Hof weiter, und überall kann es schön sein. Aber:

Gut ist es dort, wo man etwas gut macht.

Und dort, wo man ein gutes Angebot bekommt, sich weiter zu entwickeln, wenn man mal über einen Wechsel nachdenkt. All das habe ich bei meiner Zeitung gefunden. Das ist ein großes Glück!

Und was das Internationale betrifft: Als Leseranwältin der Frankenpost bin ich Mitglied im Netzwerk der deutschen Medien-Ombudsleute. Im Mai ist das Internationale Treffen der Ombudsleute in Hamburg: die ONO (Organization of News Ombudsmen) ist dann zu Gast in Deutschland. Hier werde ich das Frankenpost-Konzept „Leseranwältin“ vorstellen. Woche für Woche kommunizieren wir Kolleginnen und Kollegen aus aller Herren Länder über tägliche Herausforderungen des Berufs. E-Mail macht den Gedankenaustausch ganz leicht möglich.

Es ist ganz toll, wenn mal ein Kollege aus der Türkei oder eine Kollegin aus Kanada nachfragt, ob bei uns auch nur die Leserbriefe mit Echt-Namen gekennzeichnet werden müssen, aber die Internet-Kommentare nicht. Manche Überlegungen sind eben nicht an Ländergrenzen gebunden. Übrigens: Nur wenige deutsche Verlage zählen zu den Mitgliedern der ONO: die Frankenpost ist dabei. Auch darauf kann man stolz sein.

Kerstin Dolde

Kerstin Dolde als Moderatorin einer Veranstaltung der Frankenpost. Foto: © Florian Miedl

Sie sind die Leseranwältin der Frankenpost. Warum schreiben Ihnen die Leute, anstatt zu googlen?

Manche Fragesteller haben entweder keinen Zugang zum Internet oder sind sich bei der Suche nicht so sicher. Da vertrauen sie einem Medium, das sie für glaubwürdig halten: Ihrer Zeitung und damit den Menschen, die dahinter stehen.

Internet und Zeitungsverlage in der Krise: Wird die Zeitung nicht mehr gebraucht? Oder beweist gerade die Rubrik der Leseranwältin das Gegenteil?

Guter Journalismus, der einordnen kann und Hintergründe liefert, der aufdeckt und erklärt, der von Menschen für Menschen gemacht wird, wird immer gebraucht. Die Rubrik der Leseranwältin ist, wenn Sie es so sehen wollen, ein Beispiel dafür: Leser/User wenden sich an jemanden, der sich um sie und ihre Anliegen kümmert.

Kerstin Dolde, welche 3 Vorteile besitzt die Stadt Hof gegenüber anderen Städten?

Hof ist überschaubar. Hier wohnen, so finde ich, ehrliche, hilfsbereite und bodenständige Leute. Hof bietet dem, der die Augen nicht vor dem Positiven verschließt, ein breites Angebot.

Welche 3 Orte sollten Auswärtige in Hof unbedingt gesehen haben – und warum?

Was, nur drei? Na gut:

  1. Das Theater Hof, weil es hervorragende Qualität auf die Bühne bringt, um das uns andere Städte beneiden. Und weil es auch nach 20 Jahren ein Bau ist, dessen Architektur modern und wunderbar ist.
  2. Das Labyrinth am Theresienstein: Nach einem schönen Spaziergang durch einen wunderschönen Park lässt sich vom Aussichtsturm den Blick auf die Stadt und deren schöne Umgebung genießen.
  3. Die neue Freiheitshalle in der Nacht: Weil das wunderbare leuchtende Blau des Baus auch ein Beispiel für die Modernität und die Weltoffenheit unserer Stadt ist. Man muss das nur sehen wollen.

Welches war Ihr schönstes Erlebnis in Hof?

Ich habe die Grenzöffnung hier erlebt. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Freude der Menschen darüber, dass der Eiserne Vorhang endlich gefallen ist. Darüber, dass Hofer, Plauener und Oelsnitzer nach langen Jahren der Trennung wieder zueinander kommen konnten. Die Freude über das Glück, dass hinter Ullitz nicht mehr die Welt zu Ende war, war fast mit den Händen zu greifen. Ich habe noch die „trabivollen“ Straßen und die Besucherströme in der Stadt vor Augen. Es war schön, zu wissen, hier ändert sich heute die (Welt-)Geschichte – und ich bin mittendrin.

Wer oder was inspiriert Kerstin Dolde?

Da gibt es Vieles: Ein tolles Buch, eine schöne Wanderung, der Blick von der Kösseine…

Vielen Dank für das Interview, Kerstin Dolde.

Übrigens: Bei Twitter ist Kerstin Dolde hier zu finden.

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Über Matthias M. Meringer (15 Artikel)
Er ist gebürtiger Hofer. Die Wärschtla verdient er sich als Online-Kommunikationsprofi, -Redakteur und Texter. In Hof und Oberfranken kennt man ihn auch als Nordic Walker. Und: Er schreibt unter jede E-Mail „Viele Grüße aus Hof in Bayern ganz oben“.

3 Kommentare zu Kerstin Dolde – Leseranwältin der Frankenpost

  1. Ich lese die Informationen von Frau Dolde immer sehr gern. Die Leseranwältin ist eine gute Einrichtung der Frankenpost. Das Interview macht sie gleich noch mehr sympathisch.

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